Unser Patient befand sich sechs Wochen nach seiner Hüft-TEP-Operation in der Rehaphase. Unsere Aufgabe: ihm zu einem ökonomischen Gangbild verhelfen – nicht nach starrem Schema, sondern mit einer individuellen, kreativen Lösung.
Semesterübergreifendes Teamwork
Die Teilnehmer des 2. Semesters übernahmen hochkonzentriert die umfassende Befundung des Live-Patienten. Für viele war es eine doppelte Premiere: Sie wendeten ihr theoretisches Wissen erstmals am echten Patienten an und schnupperten gleichzeitig Praxisluft in einem Fach, das regulär erst später im Semester beginnt.
Die präzise erhobenen Befunde bildeten anschließend das Fundament für das 3. Semester. Diese analysierten die Ergebnisse und entwickelten eine maßgeschneiderte Behandlungsstrategie. Durch professionelle Übergabe und enge Zusammenarbeit zeigten beide Kurse, wie sich so optimale Therapieerfolge erzielen lassen.
Rumpfstabilität statt isolierter Hüftkräftigung
Im Mittelpunkt der Therapie stand die gezielte Reduzierung des sogenannten Duchenne-Zeichens – ein typischer Ausweichmechanismus bei Defiziten im Rumpf und in der hüftumgebenden Muskulatur, bei dem der Oberkörper beim Gehen zur betroffenen Seite kippt.
Statt nur isoliert die Hüfte zu kräftigen, dachten alle Beteiligten „Out of the Box" und lenkten den Fokus auf die funktionelle Rumpfstabilität. Dabei kamen effektive Techniken der PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation) zum Einsatz:
- Sprinter- und Rumpfpattern: zur Aktivierung der diagonalen Muskelketten und zum Wiederaufbau eines natürlichen, flüssigen Gangbilds
- Lifting-Technik: eine kraftvolle Kombinationsbewegung für den Rumpf, die über Extension und Rotation maximale Stabilität in der Körpermitte erzeugt, Aufrichtung generiert und dem Hinken direkt entgegenwirkt
Fazit: Physiotherapie ist kreatives Problemlösen
Die Schüler:innen und Studierenden haben hautnah erlebt, dass Physiotherapie kein stures Auswendiglernen von Übungskatalogen ist, sondern kreatives Problemlösen, das Patienten spürbar Lebensqualität zurückgibt. Eine tolle Zusammenarbeit unserer Teilnehmer.
Ein ganz herzliches Dankeschön gilt unserem Patienten Herrn Grob, der sich für dieses Projekt so offen zur Verfügung gestellt und den Therapeuten von morgen diesen wertvollen Einblick ermöglicht hat!









